Indi­vi­du­al­be­schwer­de gegen Deutschland

Ruetli2 Schule Neukoelln - Individualbeschwerde gegen Deutschland

In der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ist das Inter­na­tio­na­le Über­ein­kom­men am 15. Juni 1969 in Kraft getre­ten. Aller­dings ist erst im Jah­re 2001 die Erklä­rung gemäß Arti­kel 14 der Kon­ven­ti­on abge­ge­ben wor­den, mit der die Zustän­dig­keit des Aus­schus­ses für Indi­vi­du­al­be­schwer­den aner­kannt wird.

Foto: Lienhard Schulz)
(Foto: Lien­hard Schulz)
Mit einer Rüge ist für Deutsch­land das ers­te Indi­vi­du­al­ver­fah­ren in Bezug auf Ras­sen­dis­kri­mi­nie­rung aus­ge­gan­gen. Der Aus­schuss für die Besei­ti­gung der Ras­sen­dis­kri­mi­nie­rung hat­te über eine Beschwer­de des Tür­ki­schen Bun­des Ber­lin-Bran­den­burg, das vom Deut­schen Insti­tut für Men­schen­rech­te unter­stützt wor­den ist, zu ent­schei­den. Hin­ter­grund der Beschwer­de war ein Inter­view von Thi­lo Sar­ra­zin, in dem Äuße­run­gen über Ara­ber und Tür­ken nicht als Anstif­tung zur Ras­sen­dis­kri­mi­nie­rung ein­ge­stuft, son­dern als freie Mei­nungs­äu­ße­rung ange­se­hen wor­den sind. Auf­grund die­ser Ein­schät­zung durch die Staats­an­walt­schaft Ber­lin hat der Tür­ki­sche Bund Ber­lin-Bran­den­burg beim zustän­di­gen Aus­schuss der Ver­ein­ten Natio­nen Beschwer­de ein­ge­reicht und vor­ge­tra­gen, durch Deutsch­land in Arti­kels 2, Abs. 1 (d), Arti­kel 4, Abs. (a) und Arti­kel 6 des Über­ein­kom­mens zur Besei­ti­gung jeder Form von Ras­sen­dis­kri­mi­nie­rung ver­letzt wor­den zu sein, weil der Staat es ver­säumt hät­te, sei­ne Mit­glie­der gegen ras­sis­ti­sche, dis­kri­mi­nie­ren­de und belei­di­gen­den Äuße­run­gen des Herrn Sar­ra­zin zu schüt­zen.

So hat es auch der Aus­schuss für die Besei­ti­gung der Ras­sen­dis­kri­mi­nie­rung gese­hen und in sei­ner Emp­feh­lung vom 4. April 2013 (CERD/​C/​ 82/​D/​48/​2010) Deutsch­land vor­ge­hal­ten, in die­sem Fall sei­ne Bevöl­ke­rung nicht aus­rei­chend vor ras­sis­ti­schen Äuße­run­gen geschützt zu haben. Der Aus­schuss emp­fiehlt der Bun­des­re­pu­blik daher, sei­ne Poli­tik und das Vor­ge­hen in Bezug auf Straf­ver­fol­gung in Fäl­len angeb­li­cher ras­sis­ti­scher Dis­kri­mi­nie­rung durch Ver­brei­tung einer Ideo­lo­gie der Über­le­gen­heit gegen­über ande­ren eth­ni­schen Grup­pen auf der Grund­la­ge der Ras­sen­dis­kri­mi­nie­rungs­kon­ven­ti­on zu überdenken.

Wei­ter­hin wird Deutsch­land gebe­ten, die Auf­fas­sung des Aus­schus­ses einer brei­ten Öffent­lich­keit zugäng­lich zu machen, ins­be­son­de­re Staats­an­wäl­ten und Gerichten.

Außer­dem wünscht der Aus­schuss inner­halb von 90 Tagen einen Bericht Deutsch­lands über die Maß­nah­men zur Umset­zung der Emp­feh­lung des Ausschusses.

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